Homöopathie

Eine kurze Einführung

Der Mensch ist längst krank, bevor sich eine Krankheit als organisch nachweisbare Erkrankung manifestiert. Lokale Befunde sind nur das Endergebnis des Krankheitsgeschehens vor dem Erscheinen körperlicher Läsionen. Dieses Krankheitsgeschehen, oft ohne Befunde mit nur subjektiv fühlbaren Symptomen einhergehend, betrachten Homöopathen als den eigentlichen Krankheitsprozess. Hahnemann bezeichnete das als "Verstimmung der Lebenskraft “.

Verschiedene chronische Krankheiten und Beschwerden eines Menschen gehören aus der Sicht der Homöopathie zu ein und demselben chronischen Krankheitsprozess. Hat jemand also mehrere Krankheitsdiagnosen gleichzeitig oder auch hintereinander, so sind diese nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern Ausdruck ein und derselben Grunderkrankung, welche auf einer tieferen Ebene liegt. Man sieht häufig am Verlauf einer Krankheitsgeschichte im Laufe des Lebens, wie diese Grunderkrankung immer tiefer in den Organismus vordringt - mit immer anderen Diagnosen, die häufig als ziemlich unabhängig voneinander betrachtet werden. Durch eine nur auf die Erscheinungsform einer Krankheit ausgerichtete Behandlung, welche die zugrundeliegende Störung der sogenannten Lebenskraft nicht heilen, wird dem Krankheitsprozess nur die Ausdrucksfläche (Haut, Organe, Knochen) geraubt. Die Grunderkrankung kann jedoch unverändert fortbestehen und manifestiert sich dann mit anderen Krankheitserscheinungen, so dass die Krankheit dann nicht wirklich geheilt, sondern nur unterdrückt ist. Kein Homöopath könnte sich mit seiner Behandlung zufrieden geben, wenn nach der scheinbaren Heilung einer Krankheit später ohne äußere Einwirkung eine schlimmere folgt. Da man hofft, dass die Homöopathie in der Lage ist, diese Lebenskraft zu stimulieren, hat sie die Möglichkeit, diese Grunderkrankungen zu erreichen und sie auch zu heilen. Hahnemann ging davon aus, dass es so etwas wie eine nicht-materielle, die Lebensvorgänge des Organismus steuernde Lebenskraft gibt, ohne die es keinen lebenden tierischen oder menschlichen Organismus gibt. Diese Lebenskraft, auch Lebensprinzip oder Dynamis genannt, ist eine Kraft, die jedes Organ, jede Zelle und jedes Molekül erreicht und dafür sorgt, dass diese koordiniert arbeiten und untereinander in harmonischem Gleichgewicht sind.

Andere vor Hahnemann hatten schon ähnliche Gedanken gehabt, z. B. Paracelsus, doch Hahnemann verfolgte diese Gedanken weiter bis zu einem klaren und anwendbaren Prinzip. Diese Kraft kann man beeinflussen, sie kann aus dem Gleichgewicht gebracht werden oder auch, so sie aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Und genau da ist der Ansatzpunkt der Homöopathie. Wird ein Mensch  krank, so betrifft die Krankheit zunächst diese Lebenskraft, und dadurch zeigen sich Krankheitserscheinungen an den Organen des Körpers oder auch in allgemeinen Befindensstörungen bis zu psychischen und geistigen Störungen. Also die Lebenskraft ist gestört und dadurch bekommt man zum Beispiel ein Magengeschwür. Ohne eine Störung dieser Lebenskraft gibt es keine Krankheit, und so betrifft jede Krankheit den ganzen menschlichen Organismus, nie nur ein einzelnes oder wenige Organe. Hier sei Hahnemann selbst zitiert, da diese Ansicht so weitreichende Konsequenzen hat (Organon §§ 10 bis 13):

"Der materielle Organismus, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Tätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig, nur das immaterielle, den materiellen Organismus im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprinzip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen." Einzig die krankhaft gestimmte Lebenskraft bringt die Krankheiten hervor. Wenn ich Krankheit eine Stimmung oder Verstimmung des menschlichen Befindens nenne, so bin ich weit entfernt, dadurch einen hyperphysischen Aufschluss über die innere Natur der Krankheiten überhaupt, oder eines einzelnen Krankheitsfalles insbesondere geben zu wollen.

Es soll mit diesem Ausdrucke nur angedeutet werden, was die Krankheiten erwiesenermaßen nicht sind, und nicht sein können, nicht mechanische oder chemische Veränderungen der materiellen Körpersubstanz und nicht von einem materiellen Krankheits-Stoffe abhängig ­sondern bloß geistartige, dynamische Verstimmung des Lebens." Diese Erkenntnisse haben weitreichende Folgen für die Behandlungen von Krankheiten. Das sei an einem Beispiel deutlich gemacht: Es ist heute bekannt, dass Krankheiten wie Milchschorf in früher Kindheit, Neurodermitis, allergischer Schnupfen und Asthma bronchiale eng zusammenhängen. Es ist ebenso bekannt, dass in der Vorgeschichte von Asthmatikern sehr häufig Hautausschläge zu finden sind, insbesondere Milchschorf in früher Kindheit. Diese Hautausschläge verschwanden irgendwann, oft wurden sie geheilt durch eine Behandlung mit Salben oder verschwanden vielleicht auch von selbst. Später, und das kann durchaus auch einige Jahre später sein, tritt dann das Asthma auf. In der offiziellen Medizin sieht man die Zusammenhänge, dass nach dem Verschwinden eines Hautausschlages eine asthmatische Erkrankung auftreten kann, eher in biochemischen und molekulargenetischen Zusammenhängen. Auch wird eine familiäre Häufung beobachtet.        
Um Folgeschäden zu vermeiden ist bei vielen Krankheiten wie dem Asthma eine klassische Medizin auch unabdingbar. Aus homöopathischer Sicht ist ein anderes Vorgehen in der Therapie nötig. Erstens wertet man die Allergene nur als Auslöser der Symptome, während der zugrundeliegende Krankheitszustand ständig und dauerhaft vorhanden ist.

Zweitens sieht man einen sehr engen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen, was auch Konsequenzen in der Behandlung nach sich zieht. Dieser Mensch ist dann insgesamt kränker geworden (nicht: hat eine neue Krankheit!), mit der Hautkrankheit statt des Asthmas würde er sich besser fühlen. Die Verstimmung  der Lebenskraft hat zugenommen, und der Organismus war nicht mehr in der Lage, das Leiden außen auf der Haut zu halten. Durch die Homöopathie hofft man eine grundlegende Therapie anbieten zu können, d h. eine Therapie, die die zugrundeliegende Ursache - die Verstimmung der Lebenskraft - beseitigt. Denn die verstimmte Lebenskraft ist, bei Verschwinden der Beschwerden eventuell nicht geheilt, sondern nur der Ausdruck der Erkrankung, die "äußere Reflexion der Verstimmung der Lebenskraft auf der Haut", wurde beseitigt. Der Krankheitsprozess selbst währt jedoch unverändert fort, nur die Ausdrucksfläche wurde ihm genommen. Es ist, als hätte man einen kochenden Topf Wasser mit einem dichten Deckel verschlossen, irgendwann sucht sich der entstehende Überdruck ein neues Ventil, so kommt dann entweder der Hautausschlag nach  einer Weile wieder. Oder wenn es dem Organismus nicht gelingt, die Krankheit wieder nach außen auf die Haut zu platzieren, entsteht etwas nur scheinbar Neues tiefer im Organismus. Eine weitere Folge dieser Sichtweise von der Lebenskraft ist, dass alle zur Zeit bestehenden Beschwerden zu beachten sind, da alle zusammengenommen ein Ausdruck der bestehenden Störung der Lebenskraft sind! Und für die Gesamtbeurteilung ist es sogar nötig, den gesamten Verlauf der Krankheitsgeschichte zu kennen Dabei ist es interessant, dass auch seit der Krankheit bestehende sog. Nebensymptome eine Rolle spielen, also auch Symptome, die nichts mit der eigentlichen Krankheit zu tun haben müssen, jedoch seitdem bestehen und normalerweise wenig Beachtung finden.

Betrachten wir einen Patienten, der wegen Schlaflosigkeit nachts in  die Praxis kommt. Er schläft nicht mehr gut, seit seine Beziehung in die Brüche ging, Er hat seitdem auch einige Warzen bekommen, leidet an Verstopfung und hat seither auch oft hämmernde Kopfschmerzen, die ihm vor allem vormittags zur Verzweiflung bringen, die schlimmer bei Anstrengung der Augen und bei körperlicher Anstrengung sind. Und er mag komischerweise kein Brot mehr, welches er früher gerne aß... Dies alles zusammen ist der Ausdruck der Störung seiner Lebenskraft, der Ausdruck seiner Krankheit, und er wird dafür ein einziges Heilmittel, eine Arznei bekommen, welche genau diesem Symptomenkomplex entspricht und deshalb auch zu heilen vermag - wobei ihm gleichzeitig die Verarbeitung seines Kummers nicht erspart, sondern ermöglicht wird!
Man kann an der Krankengeschichte von chronisch Kranken sehr oft beobachten, daß sie im Laufe des Lebens immer ernsthaftere und tiefergehende Krankheiten entwickeln, obwohl die Krankheiten, welche sie hatten, immer ­oftmals auch scheinbar erfolgreich - behandelt wurden. Im Allgemeinen denkt man, diese hätten nichts miteinander zu tun und das gehört einfach zum Alter, doch in Wirklichkeit kann es so sein, daß die Störung der Lebenskraft sich immer tiefer frißt, d h. der jeweilige Kranke unterliegt einem und nur einem Krankheitsprozeß, der immer weiter geht und im Laufe der Zeit den Organismus immer zentraler erfaßt. Dieser Krankheitsprozeß schert sich nicht um Namen und Diagnosen der Krankheiten.Die Homöopathie wird in unserer Praxis als sehr wirksame Ergänzung in der Behandlung aller Krankheiten, vor allem der chronischen Krankheiten, bei denen ein tieferes psychosomatisches Regulationsversagen angenommen werden kann, eingesetzt. Auch in der nebenwirkungsfreien Behandlung von Akutkrankheiten im Kindesalter sehen wir in der Homöopathie eine bedeutsame Ergänzung anderer naturheilkundlicher und allgemeiner Therapieverfahren. Wir wollen die Homöopathie, im Gegensatz vieler anderer Protagonisten, nicht als alleingültige und dogmatisch anzuwendende Therapie betrachten sondern fügen sie harmonisch in das Repertoire der medizinischen Möglichkeiten ein. Im Gespräch mit Ihnen stehen wir gerne bereit, in Ihrem speziellen Fall die Möglichkeiten einer homöopathischen Therapie verantwortungsvoll zu erkunden. Die Homöopathie bei Akutkrankheiten kann als Kassenleistung abgerechnet werden, die klassische Homöopathie bei chronischen Erkrankungen (mit ausführlichem Erstgespräch, Arzneimittelfindung und Verlaufsbeobachtung) muß Ihnen als Privatleistung (nach der Gebührenordnung für Ärzte) in Rechnung gestellt werden. Dazu bieten wir spezielle Termine an. Für Rückfragen aller Art stehen wir gerne zur Verfügung.